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Rezension zu „Remember“ von Roland Jungbluth


„Remember“ ist das erste Buch von Roland Jungbluth, welcher zuvor als Cartoonist gearbeitet hat – doch schreiben kann er mindestens genauso gut. Mit diesem Roman betritt er die Welt der Schriftstellerei, welches den Leser von der ersten Seite an fesselt.

 

Zu Beginn des Buches wacht Annabel in einer psychiatrischen Anstalt auf, doch sie weiß nicht, wie sie dorthin gekommen ist. Als sie das Gebäude erkundet, trifft sie auf drei Jungs, die sie flüchtig aus ihrer Schule in London kennt: Michael, Eric und George. Diese haben eigentlich nichts mit ihr zu tun und doch sind sie in dieser Anstalt, ebenso wie Annabel – was ist da los? Als die drei sie auch noch vor Leuten warnen, die kommen und behaupten werden, ihre Eltern zu sein, ist sich Annabel sicher, dass das alles nur ein schlechter Scherz sein kann. Doch als sie ihren Eltern begegnet und hofft, eine vernünftige Erklärung zu bekommen, wird sie bitter enttäuscht – denn sie hat diese Menschen noch nie zuvor gesehen.

Am nächsten Tag kommt eine verrückte Frau zu ihr und den drei Jungs, springt auf den Tisch und erzählt ihnen von einem Haus mit gelben Fenstern, welches sie suchen sollen, denn es „kennt die Fragen und weiß die Antworten“. Außerdem gibt sie ihnen die Aufgabe, die Tür zum Paradies zu finden und anschließend meint sie, die vier hätten noch acht Tage.

Diese acht Tage ziehen sich wie ein Countdown durch das Buch. Es wird einige Male die bevorstehende Landung auf dem Mond und die erwartete Rückkehr der Astronauten erwähnt, doch zuerst sieht man keinen Zusammenhang mit diesem 1969 stattgefundenen Ereignis (zu dieser Zeit spielt die Handlung) und der eigentlichen Geschichte. Annabel, George, Eric und Michael halten von nun an zusammen und beginnen sofort damit, nach dem Haus mit den gelben Fenstern Ausschau zu halten. Im Sprechzimmer des Psychiaters der Anstalt entdeckt Annabel ein Bild, das ein solches Haus zeigt, Michael identifiziert es als das Wochenendhaus seiner Familie. Und so brechen die vier aus der Anstalt aus, um dorthin – nach Willowsend – zu fahren.

Das Haus liegt an einem See. Michael erzählt den anderen, dass dort seine kleine Schwester Rebecca ertrunken sei. Er sucht zusammen mit seinen Freunden das Haus nach den begehrten Hinweisen ab, die ihnen Antworten auf all ihre Fragen geben sollen: Was ist mit ihnen passiert? Wieso wissen sie nicht, wer ihre Eltern sind? Was sollten sie in der Anstalt? Doch das Einzige, was das Haus bereithält, sind noch mehr Hinweise, noch mehr ungelöste Fragen, noch mehr Angst. Sie fahren zurück nach London, wobei sich alle darüber wundern, wer ihnen die ganzen Hinweise schickt. Wieso verwirrt man sie so und schubst sie herum, wie Figuren auf einem Spielfeld?

Annabel entdeckt eine überraschende Verbindung zwischen ihnen, den Rätseln und dem Spiel „Monopoly“. Nachdem sie die London Library besucht haben und in einem Buch dieselbe Statue finden wie im Park, der die Anstalt umgibt, ist der Hinweis eindeutig: Sie sollen zurück zur Anstalt – dem Ort, zu dem sie nie zurückkehren wollten. Und sie haben noch drei Tage.

 

Obwohl die 380 Seiten des Romans am Anfang ein wenig abschrecken, kann man das Buch sehr empfehlen. Man ist sofort mittendrin im Geschehen und will zusammen mit den Hauptpersonen herausfinden, was mit ihnen passiert ist. Die vielen neuen Hinweise und Rätsel, die während des Buches auftauchen, verwirren den Leser, denn es scheint sich keine akzeptable Lösung anzubieten, die alle Fragen beantwortet. Das Buch ist schnell und leicht zu lesen, obwohl es sehr komplex aufgebaut ist. Einzelne Namen oder Ereignisse, die man gar nicht so richtig wahrgenommen hat, haben plötzlich eine wichtige Bedeutung und bringen die vier Protagonisten der Lösung ein Stückchen näher. So wird der Leser immer weiter mit hineingezogen.

Das Ende und die Auflösung des Ganzen sind überraschend. Der Roman ist spannend bis zuletzt und obwohl man merkt, dass auch etwas Übernatürliches in die Handlung miteinfließt, passt dennoch alles in den mysteriösen Verlauf der Geschichte. Das Buch ist wirklich empfehlenswert und wir können uns auch auf weitere Romane des Autors freuen.