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Der Rückbesuch der Israelis

„Sie sind da!“ „Was, wirklich? Oh Gott! Warte auf uns!“ So oder so ähnlich muss dieser Moment am 01. 07. 2013 sich wohl für Außenstehende angehört haben. Wir wissen es nicht mehr. Der ganze Tag ist in unseren Erinnerungen geprägt von Aufregung und auch einigen Unsicherheiten. Es ist ein Montag. Ein Montag, 2 Wochen vor den Ferien. Schon ein Grund zur Freude, aber nicht wirklich zum Ausflippen. Es ist warm, besonders in unseren grünen T-Shirts. Aber das interessiert nicht wirklich. Schließlich waren sie ein Geschenk – von unseren Austauschpartnern aus Israel, die heute in Deutschland ankommen. Trotz der Vorfreude ist die Begrüßung ein wenig verhalten. Die Stimmung ist aufgedreht, aber noch nicht so ungezwungen wie zum Abschied vor fast 3 Monaten. Irgendwie ist es doch schon ewig her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben.

Die anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten legen sich jedoch schnell. Bereits am nächsten Tag, bei einem Rundgang durch Landsberg und in der Doppelkapelle bekommen wir langsam ein Gefühl dieser Stimmung, die auch in Israel permanent vorhanden war, und die jetzt nach und nach wieder eintritt: Ausgelassenheit. Den Höhepunkt des Tages bildet, nach einer Stippvisite in den 10. Klassen unserer Schule, der Besuch des Landsberger Felsenbades. Besonderer Begeisterung erfreut sich dabei allerseits der Sprungturm. Nach einer Weile voller Spaß und jeder Menge Spritzern trennen sich langsam die Wege, der Rest des Tages wird einzeln gestaltet.

Mittwoch wird ein bisschen Wert auf Kultur gelegt. Schon 6.15 Uhr müssen wir an der Schule sein, sind also alle noch in gedämpfter Stimmung. Teilweise lässt sich der Schlaf auf der Busfahrt nachholen, aber die Erholung hat spätestens ein Ende, als die Israelis zu singen beginnen – eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Angekommen an der Gläsernen Manufaktur trennen sich unsere Gruppen und wir bekommen zwei Führungen, die, besonders für die Mädchen, interessanter sind als gedacht. Danach laufen wir weiter in die Innenstadt von Dresden. Das Wetter ist ziemlich gut, auch wenn nicht immer die Sonne scheint. Gegessen wird in einer Pizzeria, danach erhalten wir noch eine Stadtführung. Inzwischen ist vielen die Müdigkeit anzumerken, aber wir halten tapfer durch, bis der Bus uns zurück Richtung Heimat bringt. Der darauffolgende Tag wird ein aktiver Tag. Das Wetter ist leider ziemlich schlecht, und es ist kalt für Juli, aber trotzdem ziehen wir alle bei Nieselregen die Neoprenanzüge in Markkleeberg an und stürzen uns nach einer kurzen Einweisung in vier Gruppen auf die Schlauchboote. Die kommenden Stunden machen riesigen Spaß, und schon nach den ersten Minuten spürt man die Kälte nicht mehr. Zuerst wird im See geübt, nach der Mittagspause geht es dann in den Wildwasserkanal. Jetzt lässt sich sogar die Sonne blicken. Glücklich und höchst geschafft kommen wir am Nachmittag wieder zu Hause an. Der nächste Tag  beginnt mit eher gedrückter Stimmung, was zum größten Teil mit unserem heutigen Ziel zusammenhängt – KZ Buchenwald. Tatsächlich wird das Konzentrationslager eine harte Probe, bei der gemeinsamen Auswertung nach der Führung brechen viele in Tränen aus, besonders unseren Austauschpartnern fehlen die Worte – verständlicherweise. Trotzdem tut das gemeinsame Reden gut. Um den Tag nicht so zu beenden, treffen wir uns am Abend alle bei mir, und tatsächlich steigt die Stimmung wieder. Wir belegen Pizza und machen ein Lagerfeuer, und spielen und lachen viel. Alle 24 bleiben wach bis in die Morgenstunden, dann legen wir uns, dicht an dicht, schlafen. Samstag folgt am Abend ein erneutes Zusammentreffen, nachdem die gröbsten Dinge aufgeräumt sind. Bei Sören sitzen wir dann zusammen und gehen ein Stück spazieren bis die Müdigkeit die Oberhand gewinnt und jeder nach Hause zurückkehrt.

Unser zweiter freier Tag ist ungeplant, grob überschrieben mit „Familientag“. Mehr oder minder spontan beschließen zehn von uns, fünf Deutsche und fünf Israelis, ins Belantis zu fahren, eine Entscheidung, die sich wirklich auszahlt und den Tag bis heute tief in unser Gedächtnis gebrannt hat.

Und so geht es weiter. Montag früh kommen wir alle mit Reisetaschen in die Schule, gepackt für drei Tage Berlin. Hier machen wir leider sehr viel getrennt in zwei Gruppen, haben aber auch mit den Deutschen viel Spaß im Madame Tussauds und erfahren bei der Stadtführung und einer anderen durch die Blindenwerkstatt Otto Weidt viel Wissenswertes. Die Abende klingen ruhig in unserem mehrsprachigen Hostel aus.

Eine kleine Enttäuschung bereitete der Mittwoch, der letzte Tag in Berlin. Die sogenannte „Alternative Führung“, die wirklich vielversprechend klingt, entpuppt sich eher als Gegenteiliges, und das vegane Essen in Kreuzberg wird für viele zum echten Problem, das sich nur mithilfe des Döners um die Ecke beheben lässt, aber wir sehen die „East Side Gallery“, und schon allein lohnt einen Besuch in Berlin. Vor allem die künstlerisch sehr begabten Israelis sind begeistert. So geht es mit viel mehr guten als schlechten Impressionen zurück nach Landsberg.

Unser letzter ganzer Tag beginnt noch einmal in der Schule, aber wir bleiben nicht dort, sondern fahren weiter zum Petersberg. Dort besichtigen wir nach einem Abstecher zur Sommerrodelbahn die Kirche und das Kloster und unterhalten uns angeregt mit dem Abt. Am frühen Nachmittag beenden wir diesen Ausflug und geben unseren Austauschschülern Zeit, ihre Sachen für die morgige Heimreise zu packen. Am Abend treffen wir uns bei Rita, zur Abschiedsparty. Es werden ein paar wunderschöne Stunden mit kleinen und großen Geschenken und Worten, und ganz viel Freude und Traurigkeit.

So geht auch der Freitag weiter. Früh, es ist der letzte Schultag, ist Programm. Dann treffen sich die Israelis zu einer Gesprächsrunde, wir erhalten unsere Zeugnisse. Gegen Mittag, als die meisten anderen Schüler bereits ihre wohlverdienten Ferien genießen, stoßen unsere Eltern zu uns und wir sitzen ein letztes Mal alle zusammen und sagen das, was wir noch loswerden wollten, tauschen kleine Mitbringsel aus. Und dann ist irgendwann der Bus da. Ich habe geschworen, nicht zu weinen, und tue es trotzdem. Ich bin nicht die Einzige. Viel zu schnell sind sie, nach etlichen Umarmungen und Grüßen, wieder fort. Zurück bleibt für die nächsten Tage eine seltsame Leere. Das