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Besuch des Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle am 11. Dezember 2013

Nicht immer müssen sich die Schüler im Ethikunterricht nur über Aristoteles, Kant und die Grundlagen des menschlichen Erkennens schlau machen.Manchmal betrachtet der Ethikunterricht auch Aspekte des Lebens, die jeden Menschen irgendwann einmal betreffen – so auch das Thema: Sterben und Tod. In diesem Zusammenhang wird auch das Konzept der Hospize behandelt.Ein Hospiz ist eine Einrichtung der Sterbebegleitung. Hauptsächlich wird der Begriff für eine kleine stationäre Einrichtung, ähnlich eines Pflegeheims, verwendet. Es gibt aber auch ambulante Hospize, die kranke Menschen und ihre Familien in deren Zuhause besuchen.In Hospizen werden sterbenskranke Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet. Die letzten Wochen ihres Lebens sollen den kranken Personen noch einmal so angenehm wie möglich gestaltet werden. Dazu gehört auch die Palliativmedizin, die die Krankheiten der Patienten nicht heilen, aber deren Symptome lindern kann.Auch die Familien der Schwerkranken werden in dieser schweren Zeit begleitet und auch nach dem Tod der ihnen nahestehenden Personen weiterhin betreut. Die Mitarbeiter des Hospiz versuchen, ihnen die Rückkehr zu einem geregelten Leben zu erleichtern.All dies war uns bereits aus dem Unterricht der vorhergehenden Schuljahre bekannt, doch am 11. Dezember 2013 bekamen wir die Möglichkeit, ein solches Hospiz einmal zu besuchen.Der Ethikkurs der zwölften Klassen von Frau Pöhlitz fuhr an diesem Mittwoch zusammen mit einigen Schülern des Religionskurses nach Halle zum Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus. Wir erfuhren, dass das Hospiz früher ein Teil des Krankenhauses war, seit einigen Jahren aber eine selbstständiges gemeinnütziges Unternehmen ist. Es wurde am 13. Mai 1993 ursprünglich als erstes Tageshospiz in Deutschland eröffnet. Die Initiative ging von Heinrich Pera (1938-2004) aus, dem zu Ehren die Taubenstraße in Halle, in der sich das Hospiz befindet, im Jahr 2010 in Heinrich-Pera-Straße umbenannt wurde.Frau Wagner nahm uns in Empfang und wir bildeten in einem Konferenzraum einen Stuhlkreis, in dem sie uns zunächst einmal etwas über das Hospiz allgemein und ihre Arbeit dort erzählte.Besonders beeindruckt hat uns dabei, dass viele junge Menschen ein Praktikum im Hospiz absolvieren oder dort ehrenamtliche Arbeit leisten. Schließlich ist man im Hospiz täglich mit dem Tod als ein nicht so schönes Thema des Lebens konfrontiert.Doch Frau Wagner erklärte uns, wie die Mitarbeiter und Pfleger des Hospizes mit diesem Thema umgehen. So gibt es feste Rituale, die immer dann durchgeführt werden, wenn ein Bewohner des Hospizes verstorben ist:Es wird zum Beispiel eine Kerze für die Verstorbenen gestaltet und angezündet, wenn die Familie eintrifft. Zudem setzten sich die Mitarbeiter regelmäßig zusammen und sprechen über die Erlebnisse der vergangenen Tage oder Wochen, die sie besonders bewegt haben. Jeden Monat findet  eine Supervision statt, eine Art Beratung der Mitarbeiter durch einen Außenstehenden.Doch wir hörten auch bewegende Geschichten von Bewohnern, die sich im Hospiz so weit erholt haben, dass sie heute wieder zu Hause wohnen, verreisen und Postkarten von den Orten schicken, die sie besuchen.Danach führte uns Frau Wagner durch die Räumlichkeiten des Hospizes. Es gibt dort neben den Patientenzimmern ein Sekretariat und weitere kleine Büroräume, eine kleine Küche und einen Aufenthaltsraum, der passend zur Weihnachtszeit gestaltet war. Frau Wagner erzählte, dass in diesem Aufenthaltsraum auch immer wieder schöne Geburtstagsfeiern mit den Bewohnern und ihren Familien stattfinden. Im „Raum der Stille“ ist den Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, sich mit Kollegen oder den Familien der Bewohner über organisatorische oder emotionale Themen zu unterhalten.Eine Kerze im Flur wird immer dann angezündet, wenn ein Bewohner verstorben ist. In einem Kondolenzbuch wird eine Seite eingerichtet, in der die Familie Bilder des Familienmitglieds einklebt und einen kleinen Text verfassen kann.Die Atmosphäre im Hospiz empfanden wir als ruhig, aber warm und alles andere als nur traurig und gedrückt. Es war interessant, das Modell eines Hospizes auch einmal „im echten Leben“ zu sehen und nicht nur im Unterricht zu besprechen. Wir haben festgestellt, dass die Idee eines Hospizes eine sehr menschliche und allumfassende Variante ist, um mit dem Ende des Lebens umzugehen und dass es noch viel mehr als 179 stationäre Hospize in Deutschland geben sollte.Wir möchten uns recht herzlich für die Einladung in das Hospiz und die Führung dort bedanken!Wer nach weiteren Informationen zum Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle sucht, sollte auf dieser Homepage fündig werden: http://www.hospiz-halle.de/

 

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