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"Die Schaubühne als moralische Anstalt"

formulierte Schiller einmal den Anspruch an seine Dramen. Die Klasse 11c wollte der Sache auf den Grund gehen und besuchte das Neue Theater in Halle, um sich Schillers Erstlingswerk "Die Räuber" anzusehen."Räuber" am Neuen Theater in Halle

Am Neuen Theater in Halle wird derzeit das Stück "Räuber" aufgeführt. Antje Weber hat Friedrich Schillers "Die Räuber" für die heutige Zeit inszeniert. Lohnt es sich einen Abend für das Ergebnis zu opfern?

Wer ein Bühnenbild im klassischen Sinne mit einer aufwändigen Kulisse im Hintergrund erwartet, wird enttäuscht. Zu Beginn des Stückes wird die Sicht auf den hinteren Teil der Bühne durch einige schwarze Bretter erschwert. Dort gibt es aber ohnehin nichts zu sehen. Der Minimalismus des Bühnenbildes verlangt vom Zuschauer eine gewisse Aufmerksamkeit, da Ortswechsel nur durch andere Charaktere deutlich werden. Wer gänzlich ohne Kenntnisse der Vorlage das Stück besucht, dürfte Schwierigkeiten haben der Handlung zu folgen. Dies soll aber nicht heißen, dass man "Die Räuber" gelesen haben muss, aber ein grober Überblick über die Geschichte erleichtert es enorm, dem Stück zu folgen. Derartig gewappnet kann man jedoch die großartigen Leistungen der gelungenen Besetzung genießen. Mit wenigen, aber geschickt eingesetzten Requisiten wird die schauspielerische Leistung der Darsteller unterstützt. Die besondere Mischung aus Enthusiasmus, Wut, Trauer und Ernüchterung, die von den Figuren ausgeht, wird sehr überzeugend dargestellt. Auf den Gefühlen der Figuren und ihren Beziehungen liegt der Fokus der Inszenierung. Durch den neutralen schwarzen Hintergrund konzentriert sich alles auf die Schauspieler. Keine übertriebene Requisite lenkt den Zuschauer ab, keine technische Spielerei stört das Bild. Wie eingangs bereits erwähnt, verzichtet man auf eine Kulisse. Dem optischen Eindruck nach stehen die Figuren im Nichts und streiten, trösten und töten. Der Kampf des Karl Moor (Philipp Noack) gegen seinen hinterlistigen Bruder, Franz Moor (Manuel Zschunke), der ihn um das Recht des Erstgeborenen und seine Geliebte Amalia (Kerstin König) bringen will und eigentlich den Anlass für alle Geschehnisse bildet, tritt leicht in den Hintergrund. Auch wenn sie nicht allgegenwärtig ist, so wird der Auseinandersetzung vor allem im letzten Drittel der Aufführung Beachtung geschenkt. Der revolutionäre, aufklärerische Karl kommt völlig in Schwarz gekleidet daher. Ihm gegenüber steht, im reinen Weiß seines Anzugs, sein Bruder Franz. Dargestellt, wie die fiktive Gesellschaft auf die beiden blickt, wirken sie auf den Zuschauer ironisch. Auch die inneren Monologe der beiden zeigen ihre Gegensätzlichkeit. Karl wirkt immer selbstsicher, trotz zum Ausdruck gebrachter Zweifel.  Ein unbändiger Glaube an sich selbst und möglicherweise auch an das Gute wohnt in ihm. Verstoßen von der Gesellschaft, als Rechtloser im Wald lebend und doch nicht verzagend. Sehr überzeugend wird dieser Charakter von Philipp Noack auf die Bühne gebracht. Nicht minder überzeugt die Leistung von Manuel Zschunke als der von Selbstzweifeln zerfressene Franz Moor. Spricht dieser mit sich selbst, schaut er auf sein Werk und scheint überzeugt, er werde Erfolg haben. Kurz hält diese Zuversicht jedoch nur, bevor sie von Zweifeln verdrängt wird. Sogar körperlich verlässt ihn dann die Kraft und er sinkt in sich zusammen, bevor er sich aufrafft, um seinem Triumph Ausdruck zu verleihen.

"Räuber" ist ein Stück, das mit wenig auszukommen weiß und gleichzeitig durch großartige schauspielerische Leistungen besticht. Leichte Unterhaltung darf man freilich nicht erwarten. "Die Bühne als moralische Anstalt" formulierte Schiller einmal den Anspruch seiner Dramen. Die neue Interpretation wird diesem gerecht und ist entsprechend  keine leichte Kost. Wer sich aber darauf einlässt, wird mit einer großartigen Aufführung belohnt. 

              

Marc Scheer, 11c

Theaterrezension von Rita Kopp, 11c

Im Jahre 1782 gelang Friedrich Schiller mit „Die Räuber“ ein Geniestreich. Zwar nicht dieselbe Wirkung erzielte die Inszenierung vom 10.04.2014 im Neuen Theater Halle, trotzdem war ich am Ende beeindruckt, überrascht und zum Nachdenken angeregt.

Die Tragödie selbst behandelt zeitlose Konflikte zwischen ungleichen Brüdern innerhalb der Familie und mit der Gesellschaft sowie deren Erwartungen an den Einzelnen. Dargestellt wird das durch die Brüder Moor, Karl und Franz.
Franz, der Zweitgeborene und eifersüchtig auf seinen Bruder, provoziert ein Zerwürfnis zwischen Karl und der restlichen Familie. Karl, enttäuscht und wütend, rebelliert aus Zorn gegen alles und jeden; allerdings kommt er später zur Besinnung – leider zu spät.
Seine Verlobte Amalia, obwohl verliebt, erträgt die Last nicht mehr und bittet um den Tod, was ihr Karl gewährt. Nun bleibt ihm niemand mehr: Amalia und Vater Moor sind tot, Franz hat sich aus Angst vor Karls Rache selbst getötet und auch Karls Achtung vor sich selbst ist dahin. Gebrochen übergibt er sich zuletzt aus moralischen Gründen der Justiz.

Obwohl die moderne Inszenierung sich weder völlig an die Originalfassung hält noch sich großartiger Bühnenbilder oder Requisiten bedient – eindrucksvoll war es trotzdem.
Die jungen Schauspielstudenten aus Leipzig beeindruckten durch hingebungsvolles und expressives Spiel, außerdem passten sie auch äußerlich ideal in ihre Rollen: der dunkelhaarige Karl mit Parka und Weinflasche in der Hand, der blasse Franz in fast steriler, weißer Kleidung in seinem blutroten Sessel sitzend.
Auch das minimalistische Bühnenbild war absolut ausreichend. Kombiniert mit dem Einsatz moderner Technik – fast zu laute Musik und Stroboskoplicht – bildete es eine hervorragende und passende Basis für das Schauspiel.

Dem nt-Studio ist es also sehr gut gelungen, „Die Räuber“ nahezu neu zu erfinden. Das Stück ist aggressiver, lauter, moderner als das Original, dennoch hinterlässt es einen bleibenden Eindruck bei den Zuschauern und bei manchen den Wunsch, sich die Inszenierung noch einmal anzusehen. Die Art, wie die Schauspieler die Tragödie zum Leben erweckt haben, die Art, wie die Figur Karl Moor zum zweifelhaften Helden wurde, wie Franz zum neidischen, geisteskranken Vergewaltiger mutierte, flößt Respekt gegenüber den Darstellern ein und macht Kultur lebendig, interessant und greifbar.

 

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