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Besuch der Leipziger Buchmesse 2018

Am 16. März 2018 besuchten die 10. Klassen die Leipziger Buchmesse. Dieses Jahr fand sie vom 12. bis 18. März statt.2 Die Messe in Leipzig ist eine der ältesten der Welt, denn bereits um 1165 wurde vom Marktgrafen Otto dem Reichen der Stadt das Markt- und Messerecht verliehen.1 Damals trafen hier weit gereiste Kaufleute aufeinander, die am Schnittpunkt der wichtigen Handelsstraßen via regia und via imperii ungefähr am Ort der heutigen sogenannten Alten Messe ihre Geschäfte machten.1 „Die Leipziger Messe ist die einzige Messe der Welt, die sich eine eigene Stadt hält“, so hieß es früher.1 „König Maximilian I. verlieh 1497 und 1507 weitere bedeutende Privilegien für Leipzigs Märkte.1 In der Folge entwickelte sich die Stadt zum führenden deutschen Messeplatz mit internationaler Bedeutung“, so formuliert es die Messe auf ihrer Homepage.1 Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Leipzig dann der Grundstein für das heutige Messewesen gelegt.1 Mit der Mustermesse wurden das erste Mal nicht mehr die Waren selbst verkauft, sondern nur Musterprodukte vorgestellt.1 Noch heute erinnert das Symbol „MM“ daran.1 Im Jahr 1996 eröffnete in Leipzig dann ein neues Messegelände mit einem modernen Kongresszentrum.1 „Heute gehört Leipzig zu den zehn führenden Messeplätzen Deutschlands [..]“, heißt es auf der Internetseite der Messe.1

Wir Zehntklässler trafen uns mit unseren Lehrern bei Regenwetter um halb zehn am Eingang Ost. Um zehn Uhr konnten wir dann auch in eine der fünf Hallen gehen, um uns den verschiedenen Themen zuzuwenden. Es gab viele kleine Verlage, die ihre Bücher ausstellten, sowie Lesungen, bei denen man den Autoren lauschen konnte. Die Hallen waren den verschiedenen Buchkategorien zugeordnet, so fand man in einer Halle die Sachbücher, in einer anderen die Zeitungen und Zeitschriften. Besonders auffällig waren die verkleideten Besucher der Manga-Comic-Con, die zeitgleich zur Buchmesse in Halle eins stattfand. Im Laufe des Tages strömten immer mehr Menschen auf die Messe, die sich langsam füllte und zu einem Event für Familien wurde.

Am Vormittag stellte die Autorin Frauke Luckwaldt ihr Buch ,,Selbstbestimmt sterben – Die mutige Entscheidung meines Vaters zum Sterbefasten“ vor. Der Roman handelt von einer wahren Geschichte. Der Vater der Autorin war tief unzufrieden mit seinem Leben im Pflegeheim. Ein paar Wochen nach dem Tod seiner Ehefrau und einem Schlaganfall verkündete er, dass er sich umbringen möchte. Seine Tochter war natürlich schockiert über diesen Entschluss. Ihr Vater wollte sein Leben positiv in Erinnerung behalten und endlich zu seiner Frau kommen. Das war der Beginn einer 42tägigen Reise. Frauke Luckwaldt beschreibt ihren Vater als den willensstärksten Menschen der Welt. Sie selbst will ihn nicht von seinem Weg abbringen. Sie versucht ihn hingegen dabei zu unterstützen und diese letzte Reise so angenehm wie möglich für ihn zu machen. Nachdem Tabletten aufgrund der Illegalität und der hohen Preise ausgeschlossen wurden, entscheidet ihr Vater sich tot zu fasten. Im Pflegeheim lehnt er jede Mahlzeit ab und trinkt nur noch einen halben Becher Wasser jeden Tag. Nach einer über 40tägigen, für alle Beteiligten sehr traurigen Phase stirbt ihr Vater schließlich. Er wollte damit auch auf Missstände in Pflegeheimen und die nicht vorhandene aktive Sterbehilfe in Deutschland aufmerksam machen. Sein Leben war ein schönes Leben, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt im Pflegeheim ohne seine Frau für ihn nicht mehr lebenswert.

Eine fröhlichere Veranstaltung war der Poetry Slam auf der Leseinsel Junge Verlage in Halle 5. Hier trugen Aron Boks und Katharina Huboi abwechselnd ihre selbstgeschriebenen Gedichte vor. Teilweise sehr unterhaltsame Texte ließen die Zeit dort schnell vergehen. Die beiden jungen Dichter aus Berlin erzählten in Reimen von ihren Familien, ihrer Heimat, aber auch von ihrem jetzigen Wohnort Berlin. Alltagsthemen wie die tägliche U-Bahnfahrt wurden hier auf eine einfache, aber originelle Weise behandelt.

Am Nachmittag erlebten wir außerdem eine Lesung von Tobias Ginsburg, der sein Buch ,,Die Reise ins Reich“ vorstellte. Der junge Autor vom Eulenspiegelverlag lebte mehrere Monate unter sogenannten Reichsbürgern. Das ist eine Gruppe von Menschen, die glauben, dass die Bundesrepublik Deutschland nur eine GmbH sei und das Deutsche Reich immer noch existiere. Das ,,Königreich Wittenberg“ wurde auf einem ehemaligen Klinikgelände in der Lutherstadt ausgerufen. Der Autor lebte dort eine Zeitlang mit Reichsbürgern zusammen und versuchte sie zu verstehen. Bereits nach einiger Zeit erkannte er, dass hier hauptsächlich Neonazis und Altnazis leben Unter anderem behaupten sie, dass der Personalausweis nur ein Dokument für alle Mitarbeiter der BRD GmbH sei. Mit einem doch eher sparsamen und unterschwelligen Humor berichtet er, wie es nicht bei dieser einen Verschwörungstheorie blieb. Jeder Reichsbürger kannte viele, ganz verschiedene solcher Theorien, die alle wahr sein sollten. Angeblich würden alle Verschwörungen von der sogenannten FWO, der First World Order, geplant. Diese Organisation solle die Zerstörung oder Versklavung der gesamten Menschheit durchführen. Über „Chemtrails“ von Flugzeugen würden wir alle vergiftet, so die Behauptung. Die als Kondensstreifen getarnten Gifte sollen beispielsweise Grippewellen auslösen. Auch die Terroranschläge am 11. September 2001 und die Bundesregierung werden in Frage gestellt. Der Autor hat diese und andere Geschichten ansprechend erzählt und damit das Publikum gefesselt.

Insgesamt war die Messe ein abwechslungsreiches Event, das bei mir viele Eindrücke hinterließ. Durch eine gute Planung sollte man sich bereits im Vorhinein Lesungen aussuchen, um dann auf der Messe gezielt in bestimmte Bereiche gehen zu können. Durch die Manga-Comic-Con, die Sachbücher, Belletristik und die Poetry Slams wird ein sehr interessanter Kontrast geschaffen, bei dem jeder etwas für sich finden kann. Die vielen kleinen Verlage sind unübersichtlich verteilt, Anziehungspunkte sind aber vor allem die größeren Bühnen. Wenn auf der Messe noch ein paar mehr Sitzplätze wären, damit auch jeder der Geschichte über die Amerikanischen Präsidenten oder den Piraten auf dem Meer entspannt zuhören könnte, wäre es etwas gemütlicher und man könnte sich besser in eine Thematik hineinversetzen. Zusammenfassend war es ein interessanter Ausflug in eine bunte Themenwelt.

1 – Geschichte Leipziger Buchmesse, http://www.leipziger-messe.de/unternehmen/geschichte/, 18.3.2018

2 – Leipziger Buchmesse, http://www.leipziger-buchmesse.de, 18.3.2018

Moritz Hahn, Klasse 10a

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